Die Arbeitsgruppe für KIP in den baltischen Staaten in der MGKB

Die Arbeitsgruppe für KIP in den baltischen Staaten wurde am 9.9.2001 in Toila (Estland) anlässlich eines Internationalen Symposiums für KIP in den baltischen Staaten gegründet. Leiter dieser Arbeitsgruppe ist Dr. med. Georgi Belotserkovski, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik im Krankenhaus Kothla-Järve im Nordosten Estlands.

Die Arbeitsgruppe versteht sich als Teil der MGKB, d.h. sie hält sich im Ausbildungscurriculum sowie in den Anforderungen für das Abschlusskolloquium streng an die Vorgaben der MGKB. Organisatorisch ist die Arbeitsgruppe unabhängig. Jährlich findet seit 2001 im September in Estland ein umfangreiches Intensivseminar statt, das jeweils Theorie, Selbsterfahrung und Supervision anbietet. Hier werden die Abschlusskolloquien angeboten.

Als Dozent der MGKB führt Dr. Belotserkovski regelmäßig eigene Gruppen- und Einzelsupervisionen sowie Selbsterfahrungsseminare durch. Inzwischen hat sich zusätzlich eine rege arbeitende Ausbildungsgruppe aus dem benachbarten St. Petersburg (Russische Förderation) dieser baltischen Arbeitsgruppe angeschlossen.

Inzwischen arbeiten weitere curriculare Fortbildungsgruppen in Litauen
(Leitung: Frau Prof. Adomaitienne) und Estland (Tartu) Leitung: Roman Balytschev). Regelmäßige Fortbildungsseminare werden von Georgi Belotserkovski sowohl in Estland, in Litauen als auch in St. Petersburg durchgeführt-

Das 15. Fortbildungsseminar der Projektgruppe „Psychodynamische Imaginationstherapie“ der BAKIP fand in der Zeit vom 30.6. – 3.7. 2016 in Toila (Estland) statt. Die Leitung der Internationalen Gruppe lag in den Händen von Georgi Belotserkovski (MD) und Prof. Dr. Heinz Hennig. Teilnehmer aus Estland, Litauen, Finnland, Russland (St. Petersburg), der Ukraine und aus Schweden arbeiteten intensiv in dieser Selbsterfahrungsgruppe. Eine theoretische Einführung mit einem Seminarvortrag von Prof. Hennig zum Thema: „Das neurobiologische Zweiphasenmodell von Roth und Strüber (2014) in der Psychodynamischen Psychotherapie und Mentalisierungsprozesse“ bildete den empirisch – wissenschaftlichen Hindergrund zur praktischen Imaginationsdynamik in der Gruppe.

Intensivseminar 2014 der BAKIP

  Baltische Arbeitsgruppe für Katathym Imaginative Psychothe-rapie (BAKIP) in der MGKB

Von Georgi Belotserkowski und Heinz Hennig

Psychodynamische Imaginationstherapie (als modifiziertes KIP-Konzept)

In der BAKIP wurde eine Projektgruppe „Psychodynamische Imaginationstherapie“ als methodisches Instrument der Selbsterfahrung konzipiert und nunmehr über mehr als 10 Jahren erprobt. Es handelt sich um eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie mit dem Fokus auf den individuellen Tagtraum mit  permanentem Feedback aller Gruppenteilnehmer

Die Deutungen durch alle Gruppenmitglieder konzentrieren sich  überwiegend auf den jeweils im Mittelpunkt stehenden Einzelträumer, so dass dieser in erheblichem Umfang von den unterschiedlichen implizierten und explizierten Gegenübertragungsphantasien aller Gruppenmitglieder profitieren kann. Dies gilt natürlich auch für die gesamte Gruppe. Dennoch steht letztlich der Tagtraumprotagonist im Zentrum der Gruppenarbeit. Somit ist jeder Gruppenteilnehmer im Selbsterfahrungsprozess in der Lage, sich je nach subjektiver Motivation auf den Begleitungsstil oder/und auf Imaginationsinhalte des jeweiligen Tagtraumprozesses einzulassen. Nach Abschluss des Imaginationsgeschehens in der Gruppe haben alle Teilnehmer nach den subjektiven Reflexionen der jeweiligen Protagonisten (Tagträumer und Begleiter) Gelegenheit, ihr eigenes emotionales Erleben des KIP–Verlaufs bzw. ihre eigenen Deutungen bzw. Interpretationen unter Gegenübertragungsaspekten vorzustellen.
Aus der angebotenen Fülle kreativer Phantasien wird dann gemeinsam versucht, die jeweilige Beziehungsdynamik mit dem Ziel, ein Zentrales Beziehungskonfliktthema (ZBKT) (Luborsky, 1995) zu formulieren (Hennig, 2007). Didaktisch wird hierbei die Interventionstechnik der assoziativen Schleife, also „die induzierte Umlenkung des imaginierten Flusses hinsichtlich genetischer Assoziationen“ (Bahrke/Nohr, 2013) in besonderer Weise genutzt. Konzeptionell steht prinzipiell die Beziehungsdynamik des Gesamtgeschehens im Vordergrund. Die Interpretation der Übertragungsdynamik orientiert sich am integrativen Paradigma (Stern, 2012) bzw. der intersubjektiven Wende in der Psychoanalyse (und damit der psychodynamischen Therapie), also dem Modell der Relationalen Psychoanalyse (Altmeyer/Thomä, 2010) mit den entsprechenden wesentlichen Ergänzungen des Übertragungsprozesses in der zwischenmenschlichen Begegnung überhaupt.
Die multinationale Zusammenarbeit der Gruppenteilnehmer bedingt die Mitarbeit einer auch fachlich kompetenten Dolmetscherin. Die emotionale Dynamik der Gruppenarbeit wird hierdurch nicht beeinträchtigt.

Literatur:
Altmeyer, M. und Thomä, H. (2010)
Die vernetzte Seele
Die intersubjektive Wende in der Psychoanalyse (Hrsg)
Klett-Cotta, Stuttgart

Bahrke, U. und Nohr, K. (2013)
Katathym-Imaginative Psychotherapie
Lehrbuch der Arbeit mit Imaginationen in psychodynamischen Psychotherapien
Springer Berlin-Heidelberg

Hennig, H. (2007)
Das Zentrale Beziehungskonfliktthema (ZBKT) in der KIP
In: Hennig, H.; E. Fikentscher, U. Bahrke und W. Rosendahl (Hrsg.) Beziehung und therapeu-tische Imaginationen
Pabst Science Publ.  Lengerich-Berlin

 
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